Westfinnland Teil1
29.6. - 4.7.
Km: 2372
Entlang des Bottnischen Meerbusens von Pori nach Vaasa
Südfinnland liegt hinter mir und weiter geht's entlang des Bottnischen Meerbusens.
Die Strecke ist recht abwechslungsreich, mal führt sie über die Inseln, mal durch Wälder und Felder. Immer wieder auch direkt entlang der Ostsee.
Verzichten könnte ich auf die Abschnitte direkt auf der Küstenstraße E8.
Führt der Eurovelo 10 durch kleine Dörfer, fällt auf, dass viele Häuser verlassen sind und es kaum noch Lebensmittelläden gibt. Ich liebe diese kleinen Läden. Sie haben zwar eine begrenzte Auswahl, dafür findet man dort alles, was man braucht. Komme ich an einem vorbei, ist das gleich Anlass für eine ☕ und 🥧 Pause.
Finnen sind wortkarg und können keinen Smalltalk
Das kann ich in keinster Weise bestätigen. Bleibe ich stehen und schaue auf dem Handy etwas nach, wird mir gleich Hilfe angeboten (sofern ich nicht irgendwo in der Wallachei unterwegs bin).
Mache ich Pause, wird neugierig gefragt, woher ich komme.
Und unter Radlern kommt man und frau sowieso schnell ins Gespräch. So erfuhr ich von einem Gravelradfahrer, dass Finnland das Konzept des Jobrads aus Deutschland übernommen hat. Aufgrund der hohen Staatsverschuldung ist es jedoch gerade wieder eingestellt worden.
Beim Zuschauen eines tollen Sonnenuntergangs ergab sich mit einem finnischen Paar beim Lagerfeuer ein angeregter Klönschnack. Wie der Zufall es so will, waren es auch Pflegeeltern und sie Sozialarbeiterin. In ihrem Tätigkeitsfeld der Jugendhilfe kämpft sie gerade mit den Folgen der starken Kürzungen im gesamten sozialen Bereich.
Sturm gebeutelt
Der Tag fing schon gut an. Das Müsli schmeckte total merkwürdig. Statt Joghurt hatte ich Hüttenkäse gekauft.
Wie angekündigt regnete es durchgängig. Das hieß, Zelt ⛺ nass einpacken. Bringt dann auch gleich mehr Gewicht aufs Fahrrad.
Während des Einpackens habe ich das Fahrrad regensicher unter einen Dachvorsprung abgestellt. Dadurch hatte ich die Bestätigung, dass meine Vorderradtasche dich hält. Der Regen, der reinkam, blieb zuverlässig drin. Ich hatte vergessen die Tasche zu schließen und so tröpfelte fleißig der Regen aus einem Loch der Regenrinne in die Tasche.
Statt nachzulassen, nahm der Regen zu. Eigentlich nicht weiter schlimm, wenn man durchs Strampeln Betriebstemperatur aufgenommen hat und trocken bleibt. Nach km 30 war ich durchfeuchtet, nach km 40 plitschnass. Auch die Schuhe, trotz Regenüberschuhe. Die hatte ich morgens nämlich als letztes angezogen und so kam langsam aber stetig die Feuchtigkeit von oben hereingelaufen.
Dann hat es ewig gedauert, bis ich den Campingplatz gefunden habe, der überhaupt nicht ausgeschildert war. Googlemaps, komoot und die Wegbeschreibung der Website des Platzes waren sich nicht über die genaue Lage desselben einig.
Endlich angekommen, trat absolute Ernüchterung ein. Wo sollte ich auf diesem kleinen überschwemmten Rasen das Zelt aufbauen? Und wo sind hier irgendwelche Menschen? Recherchen nach anderen erreichbaren Unterkünften blieben erfolglos. Dann entdeckte ich ein Mini Hinweisschild mit der Info, Kent anzurufen. Flugs getan, der kam auch recht flott und verkündete umgehend, dass ich hier nicht zelten könne. Bevor mir alles aus dem Gesicht gleiten konnte, fügte er hinzu, dass das zu gefährich sei. Es sei Unwetter mit orkanartigen Böen angesagt. Ich könne in der Mitarbeiterhütte übernachten. Triefend folgte ich ihm in eine schnuckelige, direkt am Wasser gebaute Hütte. Er stellte die Heizung auf volle Pulle und wünschte mir angenehme Nachtruhe.
Während meines köstlichen 3 Gänge Menüs (Vorspeise: Fruchtriegel, Hauptgang: Proteinriegel Geschmacksrichtung Vanille, Nachttisch: Powerriegel Schokogeschmack - ich hatte schlichtweg vergessen einzukaufen) könnte ich verfolgen, wie rasant schnell der Sturm kam. Der auf Brändö hatte es ja schon in sich. Aber bei diesem wäre mir das Zelt ⛺ um die Ohren geflogen.
Die Sollbruchstelle Vaasa
Vaasa liegt an der engsten Stelle im Bottnischen Meerbusen. Es sind nur 80 km bis zur schwedischen Küste. Hier fährt die letzte Fähre über die Ostsee. Sollte es mir in Finnland nicht gefallen, die Strecke zu lang werden, dann hätte ich hier "rübergemacht" und wäre die schwedische Küste ab Umea zurück gefahren.
Hab ich aber nicht gemacht😁
Stattdessen ein bisschen das Kvarken Archipelago erkundet. Diese vom Meer geprägte Moränenlandschaft mit ihren 5600 Inseln erstreckt sich von Vasaa bis nach Umea Schweden und gehört zur UNESCO Welterbestätte. Das besonderes hier ist, dass die Inseln wachsen. Drückte die Eismasse die Erde während der letzten Eiszeit nach unten, so hebt sie sich hier jährlich um 8 mm. Das entspricht einem Landgewinn von 100 Hektar.
Ja, alles ist in Bewegung.
Impressionen aus Westfinnland
Erste Eindrücke


















